Profitieren Sie von modernen IT-Dienstleistungen

Fotolia_45395078_w400pxSmarte Uhren, Datenbrillen und Fitnessmesser sind nur sichtbare Spitze des künftigen Berges an „Wearable Computing Devices”. Kleinstrechner mit Sensoren und Wi-Fi sind auf dem Weg, das sogenannte Internet der Dinge auch mit ganz menschlichen Daten anschwellen zu lassen. Gerade für Systemhäuser und Fachhändler, die sich rechtzeitig ins Thema einarbeiten, bietet der Trend mittelfristig interessante Geschäftschancen.

Ob zur Kontrolle von Vitalzeichen, dem Füllstand von Babywindeln oder den individuellen Verstrahlungsgrad festzustellen – mittelfristig werden mit Sensoren bestückte Devices in unserem Alltag so allgegenwärtig sein, dass wir sie kaum noch bemerken. Wer das für Science-Fiction hält, hört nicht, was die sprichwörtliche Stunde geschlagen hat. Experten ziehen Parallelen zur Evolution der Uhren. Bis zum ersten Weltkrieg waren Taschenuhren der Standard, als Soldaten verstärkt begannen, sich die Zeitmesser mit Bändern am Arm zu befestigen, um im Kampf die Hände frei zu haben. Exakt festgelegte Kanonaden machten das Wissen um die genaue Uhrzeit zum überlebenswichtigen Erfolgsfaktor.

Fotolia_64626893_w250px Traditionelle Uhrenhersteller taten diese Entwicklung lange ab. Einige Anbieter entwickelten eher halbherzig erste Armbanduhren für das Militär. Das Geschäft machten schließlich Hersteller, die nicht nur praktische Armbanduhren für den Militärbedarf auf den Markt brachten, sondern auch weitere Modelle für private Zielgruppen – in die Heimat zurückgekehrte Soldaten beispielsweise, die nicht mehr auf den Tragekomfort verzichten wollten. Wie die Geschichte ausgegangen ist, weiß heute jeder: Armbanduhren als Zeitmesser aber auch als Statussymbol sind in unserer Welt omnipräsent. Gerade aber werden sie abgelöst von Mobiltelefonen, die als Uhrersatz dienen.

Heute stecken im Uhrarmband die ersten Sensoren und in der IT-Branche gibt es nicht wenige, die spotten. Dabei sind mit Intelligenz und Kommunikationstechnik ausgestattete Brillen, Helme, Sportartikel oder Kopfhörer nur die sichtbarste und derzeit aktuellste Sorte an- und ablegbarer IT-Technik. Wer in Sachen Mobile Lösungen künftig das Geschäft machen möchte, sollte sich bereits jetzt mit „Smart Wearables” und möglichen Einsatzgebieten beschäftigen.

Fitness – ein schnell wachsender Markt

Diagramm zur Umsatz-Analyse und -Prognose des Wearable-Markts

Umsatz-Analyse und -Prognose des Wearable-Markts – Quelle: ABI Research

„Wearable Computing unterscheidet sich von der Verwendung anderer mobiler Computersysteme dadurch, dass die hauptsächliche Tätigkeit des Benutzers nicht die Benutzung des Computers selbst, sondern eine durch den Computer unterstützte Tätigkeit in der realen Welt ist.” Wer einen Moment länger über diese Definition der Wikipedia nachdenkt, kommt schnell darauf, dass die Bedeutung von Wearables im privaten, geschäftlichen und industriellen Alltag steigen wird. Münden wird sie schließlich im so genannten Internet der Dinge.

Marktforschungsinstitute wie Juniper Research gehen davon aus, dass der Umsatz mit Datenbrillen, schlauen Fitness- und Gesundheits-Trackern, tragbarer Medizintechnik und anderen intelligenten Kleinstgeräten 2018 bei etwa 19 Mrd. Dollar liegen wird. Zum Vergleich: 2013 sollen „Smart Wearables” (hier vor allem Messgeräte für Puls, Geschwindigkeit, Blutdruck etc.) weltweit rund 1,4 Mrd. Dollar in die Kassen der Anbieter gespült haben.

Einige spezialisierte Häuser haben sich bereits auf die prognostizierte Welle von körpernaher IT eingestellt. Bisher besteht ihre Sortimentserweiterung zwar meist nur aus smarten Uhren, diversen Fitness-Trackern, Datenbrillen und Action-Kameras, doch das wird sich in den kommenden drei bis vier Jahren sicherlich ändern. Sorgen um mangelndes Interesse auf Seiten der Endkunden jedenfalls muss sich aber auch angesichts der (noch) überschaubaren Produktangebote offenbar niemand machen. Ganz im Gegenteil. So war im April dieses Jahres die erste Charge von Samsungs „Gear Fit” bereits nach 10 Tagen komplett ausverkauft und nicht nur deutsche Händler wie Cyberport nahmen Vorbestellungen an, ohne zu wissen, wann sie liefern können.

Mitte Mai hatte sich die Lage etwas entspannt. Inzwischen hat LG mit dem „Lifeband Touch” ebenfalls eine Kombination aus Fitnessarmband, Uhr und Kommunikator vorgestellt. Zudem will der koreanische Anbieter bald Kopfhörer mit integriertem Herzschlag/Blutdruck-Messgerät auf den Markt bringen und hat bei diesen und weiteren geplanten Produkten gewiss nicht nur gesundheitsbewusste Geeks, Selbstoptimierer oder Leistungssportler im Blick.

Forschung und Entwicklung auch in Deutschland in vollem Gange.

Fotolia_50120212_XS Den Menschen in allen Lebenslagen und Interessen zu unterstützen ist das meist genannte Ziel, wenn es um neue Mobilgeräte geht. Welche Grundlagen dazu nötig sind und welche Einsatz- und Nutzenszenarien sich aus der neuen Technik ergeben, ist nicht nur in den USA und Asien, sondern auch bei deutschen und anderen europäischen Wissenschaftlern ein wichtiger Forschungsgegenstand. An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) etwa gibt es für „Wearable Technologies” einen eigenen Lehrstuhl, dessen Forschungsschwerpunkt derzeit auf Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Biomedizin, Gesundheitstechnologie und e-Health liegt.

An der Universität Passau ist der Lehrstuhl für Sensorik seit diesem Jahr mit Oliver Amft besetzt worden, der eng mit dem Wearable Computing Lab der ETH Zürich (Schweiz) zusammenarbeitet. Hier geht es vor allem um die Entwicklung von Sensorsystemen, Algorithmen zur Erkennung von Sensordatenmustern und die Beschreibung menschlichen Verhaltens durch Computer. „Die zentrale Frage meiner Forschung ist, wie miniaturisierte Sensor-Computer-Systeme uns im Alltag begleiten und unterstützen können”, so Amft und nennt Beispiele wie die Betreuung von Schlaganfallpatienten im häuslichen Umfeld und intelligente Gebäudetechnik.

Diesseits und jenseits des Atlantiks sehen Forscher und Entwickler die Einsatzszenarien von Wearables derzeit vor allem in folgenden Anwendungsbereichen:

  • Status-Monitoring-für Patienten, Sportler, Service-Mitarbeiter mit entsprechenden Sensoren für Vitalzeichen und Umgebungsfaktoren etc.
  • Elektronische Aufpasser – beispielsweise in Laufschuhen integrierte Systeme mit GPS zur Überwachung von Demenzkranken. Bewegt sich der/die Kranke außerhalb eines definierbaren Areals, erfolgt eine automatische Benachrichtigung der zuständigen Betreuer.
  • Katastrophenschutz – Rettungskräfte tragen Kleinstgeräte am Körper, die permanent Umgebungsdaten (z.B. Strahlung, Hitze, Gas) kommunizieren.

An solchen Lösungen arbeiten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT gemeinsam mit 36 europäischen Partnern in dem Projekt wearlT@work. Doch letztlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und so ist noch reichlich Raum für die Ideen innovativer ITK-Unternehmen und Einzelkämpfer

Tschüss Smartphone?

Diagramm der global versendeten Wearable Computing Untis

Quelle: Business Insider

Glaubt man den Visionären der Branche, wird das Smartphone als zentrales Mobilgerät in einigen Jahren ausgedient haben, obwohl es sich gerade erst etabliert hat. Statt des Appgeladenen Alleskönners würden Menschen im beruflichen und privaten Alltag schon bald eine Vielzahl spezialisierter Wearables einsetzen, die dauerhaft mit dem Internet verbunden sind und selbsttätig mit anderen Geräten interagieren. In Ansätzen zu sehen sind diese Entwicklungen auf visionären internationalen Veranstaltungen wie der CES in Las Vegas oder dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona.

Spätestens wenn Wearables neben leistungsstarken Prozessoren, Speicherkapazität, Kamera, Mikrofon, GPS, WLAN und Bluetooth auch über Akkus mit ausreichend langer Laufzeit und sinnvolle Anwendungen verfügen, eröffnen sich Anwendungsbereiche, die Smartphones nicht nur im B2B-Einsatz an Bedeutung verlieren lassen oder gar überflüssig machen werden.

Dies gilt vor allem im Bereich der „Augmented Reality”, der sich kontinuierlich weiter entwickelt und das quer durch das gesamte Branchen- und Industrie-Spektrum. Für Aufsehen auf der diesjährigen SXSW (South by Southwest, einer Mischung aus Kongressmesse und multimedialem Event, das früher auch als „Mekka der Nerds” verspottet wurde) sorgte beispielsweise ein Motorradhelm: Mit Hilfe einer Augmented Reality-Anwendung bekommt der Fahrer nicht nur Navigationshilfen, Wetter- und ähnliche Informationen in sein Sichtfeld eingeblendet, sondern auch aktuelle Bilder der Verkehrslage hinter ihm. Der Anbieter, ein kalifornisches Start-Up-Unternehmen namens Skully, gewann damit den Publikums- und Kapitalgeberwettbewerb SXSW Accelerator. Zu den früheren Gewinnern gehörte übrigens Siri, das mittlerweile von Apple übernommene und vom iPhone bekannte Spracherkennungs- und Assistenzsystem.

Hatte es im vergangenen Jahr noch geheißen, dass Smartphones „die Verlängerung des eigenen Ichs ins Internet” darstellen, gehen die Vordenker der Branche inzwischen davon aus, dass Menschen und Dinge ihre Daten mittelfristig ohne den Umweg einer Smartphone-App austauschen werden.

„In Zukunft sind im Internet der Dinge alle Produkte mit Sendern und Empfängern ausgestattet; sie kommunizieren und navigieren selbstständig, sind miteinander vernetzt und können jederzeit zurückverfolgt werden”, heißt es nicht nur in der prognostischen „Delphi Studie” der Deutschen Post für das Jahr 2020.

Es ist also absehbar, dass Wearables künftig ein selbstverständlicher Teil des mobilen Ökosystems sein werden. Wie schnell und tiefgreifend die Entwicklung erfolgen wird, hängt letztlich nur von stabilen Plattformen und Kreativität beim Erdenken von Einsatzmöglichkeiten und Anwendungen ab.

Edison und WaRP betten Kleinstsysteme ein

Wie viele Marktbeobachter beschäftigt sich auch die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) mit dem Thema Wearables. Im jüngsten Trendreport heißt es: „Sogenanntes ‚Wearable Computing’ ist die natürliche Fortsetzung der Geschichte von Prozessoren. Die Geschäftspotenziale werden im Wesentlichen von der Bedienbarkeit dieser Geräte abhängen.“

Damit Bedienbarkeit und Nutzen schnelle Fortschritte machen und um die Entwicklung von Szenarien zu beschleunigen, hat beispielsweise Intel mit der Plattform „Edison” vor einigen Monaten einen winzigen Computer mit Wi-Fi-Funktionen im Format einer SD-Karte vorgestellt und gleichzeitig einen Wettbewerb namens „Make it Wearable Challenge” ausgerufen. Nachdem bereits der Smartphone-Boom an Intel weitgehend vorbei gelaufen ist, will CEO Brian Krzanich mit Prozessoren für Wearables zum Spitzenfeld des Mobility- Marktes aufschließen.

Mit dem Wettbewerb ermuntert er kleine Unternehmen und unabhängige Entwickler dazu, kreativ über Einsatzmöglichkeiten, Designs, Sicherheit und Datenschutz sowie Langzeit-Akkus nachzudenken. Kostengünstige Einstiegsplattformen sollen es den Kreativen einfacher machen, anwenderfreundliche Wearables und andere kommunizierende Systeme im Kleinstformat zu entwickeln. Für Orientierung und Anregung will Intel zudem noch in diesem Jahr mit Referenzgeräten sorgen.

Ob Intels „Edison” das Rennen machen wird oder die „Wearables Reference Platform” (WaRP) von Freescale, Kybnetics und Revolution Robotics ist zunächst einmal unerheblich. Denn die grundsätzlichen Herausforderungen sind überall dieselben: System-Miniaturisierung, Vernetzung/Internet-Anbindung, die leidige Batterielaufzeit und sicher nicht zuletzt die Usability, sprich die Nutzerfreundlichkeit der Systeme.

Umhüllt von Anwendungen

Fotolia_57328401 Wo Gebrauchsgegenstände, Gebäude, Autos, Straßen, ganze Städte, die Produktion und am Ende der gesamte Globus „smart” und vernetzt sein sollen, gibt es für die ITK-Branche viel zu tun. Hierbei ist ein Umdenken allerdings zwingend notwendig. Denn, wie es lntels Brian Krzanich stellvertretend für Viele formuliert, befinden wir uns bereits „…mitten in einer Übergangsphase: von einer Welt aus Bildschirmen und Geräte hin zu einem Alltag voller uns umhüllender Anwendungen.”

Wie diese im Einzelnen und auf persönlicher Ebene aussehen werden, ob Menschen in einigen Jahren beispielsweise über intelligente Implantate mit der Welt bzw. dem „Internet der Dinge und Dienste” interagieren, wird die Zeit zeigen. Fest steht jedoch, dass die verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereiche immer stärker miteinander vernetzt werden. „Auch solche, die bisher keine Berührungspunkte hatten”, glaubt Dr. Stefan Ferber, Leiter der Produkt- und Portfolio-Strategie bei der Bosch Software Innovations GmbH. „Das eröffnet neue Geschäftsmodelle, bedeutet aber auch neue Anforderungen an Unternehmen in diesen Bereichen sowie an die vernetzten Geräte selbst.”

 


 

Quelle: IM-Talk 07.2014, www.ingrammicro.de