Profitieren Sie von modernen IT-Dienstleistungen

Der Softwaremarkt ist in Bewegung: Anbieter wie Adobe stellen ihr Geschäft auf Abonnements um. Andere, allen voran Microsoft, setzen auf Cloud-basierte Geschäftsmodelle. Die Zeit der großen Releases und Lizenzverkäufe neigt sich dem Ende entgegen. Systemhäuser sollten sich jetzt Gedanken über ihre Rolle in der schönen neuen Softwarewelt machen.

Geht es bei Roadshows, Hausmessen oder Kunden-Events langsam zum geselligen Teil, schwingen in vielen Gesprächen immer auch nachdenkliche Töne mit: Die Digitalisierung von Wirtschaft, Industrie und Behörden, “die Cloud”, die gewaltigen Veränderungen, die dem IT-Handel möglicherweise  noch  bevorstehen – das ist keine leichte Kost, weder als Partygesprächsthema noch als Perspektive. Nachdem wir uns langsam daran gewöhnt haben, dass Hardware immer austauschbarer wird, dreht sich der Wind nun auch im Bereich Software – und es ist eine Frage der Zeit, bis er rau durch die Bilanzen der Anbieter und Vertriebsorganisationen bläst, die auf das herkömmliche Boxen- und Lizenzgeschäft beharren. “Kunden wollen Software zunehmend nach Bedarf über das Internet nutzen – statt teure Lizenzen zu kaufen und die Programme fest zu installieren.” Das berichtet inzwischen sogar die internationale Nachrichtenagentur Reuters.

Kundenwunsch: Mehr Beweglichkeit

Tatsächlich verlieren On-Premise-Lösungen bereits jetzt an Boden. Einer der Gründe dafür: Bei der anstehenden digitalen Transformation der Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle erweist sich die vorhandene Softwarelandschaft oft als Bremsklotz. Auf der Suche nach Abhilfe versorgen sich Fachabteilungen und einzelne Mitarbeiter  mit Anwendungen  aus der Cloud. Es entsteht eine Schatten-IT. Um diese  “einzufangen” und in eine übergreifende, von den Mitarbeiterlnnen akzeptierte IT-Strategie zu integrieren, taugen die oft proprietären Alt-Lösungen erst recht nicht.

Leistungsstress für Hersteller

Konnten es sich die großen Softwareanbieter früher leisten, zwischen verbesserten Versionen auch mal Jahre vergehen zu lassen (und die Anwender bei Veröffentlichung eines großen Releases dann unter extremen  Handlungsdruck zu setzen), kehren sich die Vorzeichen nun um: Die Reaktionszeiten auf Kundenwünsche und die Anpassungen anderer modernisierter oder neuer Geschäftsmodelle werden zu erfolgskritischen Faktoren für die Anbieter.

Unternehmenskunden verlangen Flexibilität, Skalierbarkeit, die Möglichkeit, Anwendungen per Cloud für (mobile) Mitarbeiter und Partner  sicher nutzbar zu machen – und nicht zuletzt die schnelle Bereitstellung für den aktiven Betrieb. Daher ist eine enge Verzahnung von Entwicklung und Betrieb fast unabdingbar.

Statt auf große Software-Releases zu warten, die bei ihrer Implementierung letztlich fast schon wieder “veraltet” sind, wollen immer mehr Kunden neue Technologien und Features so rasch wie möglich adaptieren. Der Wettbewerbsdruck in Sachen digitaler Angebote verlangt die kürzest mögliche Time-to-Market für neue Funktionen und Services, die auch auf mobilen Endgeräten angeboten werden können. Für gemütliches Austesten bleibt da oft keine Zeit und so verbessern die Entwickler ihre Anwendungssoftware heute eben, während sie bei den Kunden bereits im Gebrauch ist.

Wie aus einer Studie zur Zukunft der deutschen Softwareindustrie im Auftrag von Pironet NDH hervorgeht, plant ein Großteil der Hersteller, ihre Softwareangebote durch SaaS-Modelle zu ergänzen oder ganz zu ersetzen. ln diesem Zuge würden sich auch die Test- und Entwicklungsprozesse ändern. “Die jüngsten Marktentwicklungen zeigen deutlich, dass Softwarehersteller, die an ihrem althergebrachten Softwarelizenzgeschäft festhalten und den Paradigmenwechsel hin zur Nutzung von Anwendungen aus der Cloud ignorieren, nicht zukunftsfähig sind”, weiß Khaled Chaar, Managing Director Business Strategy und Cloud Enabling bei Pironet NDH. “Aktuell verspüren wir daher eine sehr hohe Nachfrage nach PaaS-Lösungen aus unseren deutschen Rechenzentren. Zudem haben die Softwareanbieter großen Bedarf an Beratung und Unterstützung beim Schwenk ihres Geschäftsmodells in Richtung ‘Cloud’.”

Stude Crisp Research für Pironet NDH

Nicht ohne den Channel

Fraglos werden in den Unternehmen künftig hybride Betriebskonzepte dominieren. Darauf stellen sich internationale Großanbieter ebenso ein wie ISVs und Auftragsentwickler. Tendenziell wird alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann. Wo die Mitarbeiterinnen auf technische Neuerungen nicht warten wollen oder können, wird die Cloud erst einmal zum Selbstbedienungsladen. Und für die IT-Verantwortlichen besteht die wesentlichste Aufgabe darin, dem Wildwuchs mit adäquaten flexiblen Lösungen zu begegnen.

“Die Fachbereiche verlangen berechtigterweise für digitale Prozesse und Geschäftsmodelle mehr Benutzerfreundlichkeit, Flexibilität  und Geschwindigkeit. Der Trend beim Bezug von Softwarelösungen geht, verstärkt durch Businessanforderungen, in Richtung ‘Software as a Service’. Der Bezug von IT­ Leistungen wie Speicher, Entwicklungsplattformen oder Datenbanken aus der Cloud nimmt ebenfalls zu”, konstatiert die Studie Der Markt für IT-Beratung und IT-Services in Deutschland, die Lünendonk im August 2015 veröffentlicht hat. Demnach betrachtet die Mehrheit der befragten IT-Entscheider ihre aktuell vorhandene Ausstattung als veraltet oder unzureichend und will in den kommenden zwei Jahren in die Modernisierung bzw. flexiblere Lösungen investieren. Hierbei wollen 67 Prozent mit externen IT-Beratern und -Dienstleistern arbeiten.

Apps als Gebot der Stunde

Laut Angaben des Branchenverbands Bitkom werden hierzulande allein im laufenden Jahr (2015) voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro mit Anwendungen für mobile  Endgeräte umgesetzt. Zum Vergleich: 2013 lag das Marktvolumen erst bei 547 Millionen Euro. Verwunderlich wäre das nicht. Zum einen wegen der schier endlos wachsenden Zahl von Apps für private Anwender. Zum anderen, weil es vor zwei, drei Jahren in den Fachabteilungen deutscher Unternehmen noch nicht üblich war, eigene Budgets für Enterprise Mobility zu haben. Das hat sich mittlerweile geändert: Laut einer aktuellen Untersuchung der IDC hat inzwischen jede zweite Organisation eine Mobility-Strategie definiert und implementiert.

Vermutungsweise liegt die tatsächliche Zahl tragfähiger Mobil-Lösungen in Unternehmen niedriger als die von IDC ermittelten optimis­ tischen 53 Prozent. Tatsache aber ist: Software für Enterprise Mobility ist schon längst kein Nischenthema mehr. Geht es nach den Marktforschern, gibt es in diesem Bereich zwei große Trends: Kunden wollen für ihr mobiles Device-, Anwendungs- und Content­Management statt Einzellösungen immer häufiger integrierte EMM-Werkzeuge und -Suites. Daher werde die Bedeutung von On­Premise-Softwarelizenzen in den kommenden zwei Jahren signifikant sinken – womit Anbieter, die sich vom klassischen Boxen­ und Lizenzgeschäft nicht verabschieden wollen, langfristig keine Chance hätten, den Wettbewerb zu überleben.

Enterprise Software im Abonnement

Für den IT-Channel könnte daher auch die Umsatzquelle “Volumenlizenzen” schon bald Schnee von gestern sein. Spätestens, wenn ERPs, CRMs und andere Unternehmenssoftware vor allem in sog. Subskriptionsmodellen gehandelt werden. Diese sehen – augenblicklich – als Abrechnungsgrundlage meist eine Jahresgebühr vor. Hinzu kommen Pay­per-Use-Kosten, die sich nach der Breite und Tiefe der Anwendungsnutzung beim Endkunden richten. Experten rechnen damit, dass ein Teil der Jahresgebühren/Vorabzahlungen, wie sie heute beispielsweise Adobe verlangt, mittelfristig entfallen werden. Diese seien in erster Linie als Stärkung des eigenen Cashflows für die Übergangszeit zu minuten­ und leistungsgenauer Abrechnung gedacht, die viele Softwareanbieter bisher noch nicht beherrschen.

Denn Subskriptionsmodelle und gehostete Angebote (egal ob SaaS oder Entwicklungs-­ und Testplattformen oder IT-Infrastruktur) allein nützen den Unternehmenskunden bei ihren Transformationsbemühungen erst einmal nicht viel. Zumal, wenn Angebote aus der Cloud hoch standardisiert sind und den individuellen Unternehmensbedarf allein schon aus systemischen Gründen nicht ausreichend berücksichtigen können.

“Weder dem Logistikunternehmen in Ostwestfalen noch dem Pharmaproduzenten in Salzgitter ist geholfen, wenn Softwareentwickler und Produktmanager fehlen, die z.B. IT-Projekte zur Automatisierung von Arbeitsabläufen realisieren könnten”, so die knappe Zustandsbeschreibung bei Mittelstandswiki.de. Mit anderen Worten: Ohne fachkundige externe Unterstützung und Outsourcing an IT-Dienstleister ist die Digitalisierung in Deutschland nicht zu stemmen.

Lotsenfunktion für den Channel

Kundenberatung und -Unterstützung ist und bleibt also die vornehmste und zugleich anspruchsvollste Aufgabe beim Handel mit Software. Schließlich geht es auch in Zeiten von SaaS und Cloud darum, die bestmögliche Lösung für seinen Kunden zu finden, diese nötigenfalls auf Tauglichkeit zu testen und sicher zu stellen, dass die Software sinnvoll lokalisiert und weiter entwickelt wird – und idealerweise  die Möglichkeit für weiteren Umsatz mit Mehrwertdiensten schafft.

Daran werden die Subskriptionsmodelle der Anbieter und der elektronische Softwarevertrieb nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Da die Ansprüche der Kunden heute differenzierter und komplexer sind und es wesentlich mehr Software- und App-Entwickler für mehr Plattformen  gibt als in den goldenen Tagen des Boxenschiebens, ist die Beratungsaufgabe wichtiger denn je.

Integration ist Trumpf

Transformation ist ein hartes Brot, an dem nicht nur die hiesige Wirtschaft und Industrie zu knabbern hat, sondern auch ihre IT-Partner. Die Aufgabenstellungen verändern sich (s. Grafik) und die Veränderungen in der Softwareindustrie spielen nur zukunftsorientierten, pragmatischen Häusern in die Hände.

“Die Kombination aus On-Premise und Cloud ist für die deutsche Softwareindustrie die Königsdisziplin. Diejenigen, die es schaffen, eine optimale Koexistenz beider Modelle aufzubauen, werden am Markt die Nase vorn haben.” Das jedenfalls ist die Überzeugung von Crisp Research, die sich von den Prognosen anderer Marktforscher und den Erwartungen der großen Distributoren kaum unterscheidet. Sie alle rechnen mit einer “Konsolidierung”, sprich einer großen Pleitewelle in der Softwarebranche und auf Seiten des Fachhandels. Offenbar geht die Entwicklung immer mehr in Richtung “Managed Service Provider” (MSP) und diese neue Rolle füllen noch nicht viele Anbieter und Partnernetzwerke aus.

Gut stehen die Wachstumschancen hingegen für Systemhäuser, die ihre Kunden bereits jetzt mit umfassenden Dienstleistungen (von Applikationsanpassung und Integrationsleistungen über Cloud-/Rechenzentrumsdienste bis zum kompletten Betrieb der IT) unterstützen. Zwar sind auch die nicht 100-prozentig gegen die Wechselfälle und Fallstricke des Software-Business gefeit, doch wirken  sie aufgrund ihres Erfahrungs- und Kompetenzvorsprungs für Neukunden gewiss vertrauenswürdiger als jemand, der sein Geschäft bisher vor allem  mit verpackten Produkten gemacht hat.

 


Quelle: IM talk 11.2015