Profitieren Sie von modernen IT-Dienstleistungen

Spätestens zur IFA 2014 in Berlin wurde klar, dass Kabelfernsehen und klassische Fernsehprogramme künftig nur noch eine Option unter vielen sein werden. IP-TV ist der nächste große Wurf in punkto Wohnzimmerunterhaltung.

Doch eines schon einmal vorweg: Das eigene Netzwerk muss gut aufgestellt sein, denn der durchschnittlich „smarte” Fernseher kann die Filme und Serien aus dem Internet meist nicht in solider, ruckelfreier Qualität auf dem heimischen Bildschirm darstellen.

Sendertreue ade!

Sagt Ihnen der Begriff „Straßenfeger” noch etwas? So nannte man früher TV-Sendungen, die kaum jemand verpassen wollte. Punkt 20:15 Uhr fanden sich die Menschen mit Getränken und Knabberzeug im Wohnzimmer vor dem Fernseher zusammen, um den Thriller, Krimi oder „Ein Kessel Buntes“ im Abendprogramm von ARD oder ZDF anzuschauen.

29205500 © i3alda - Fotolia.comVon gigantischen Einschaltquoten schwärmen ehemalige Programmdirektoren und andere Veteranen der Fersehunterhaltung noch heute. Seit diesen goldenen Jahren haben die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten reichlich Konkurrenz bekommen. Erst kamen die Privatsender, dann Videokassetten, Satelliten-Programme und DVDs. Mit IP-TV (Internet Protocol Television) ist nun ein neuer Mitbewerber im Spiel, der den klassischen Fernsehmarkt in bisher unbekanntem Maß aufmischt und nachhaltig verändern wird. Denn mit IP-TV haben Konsumenten die Möglichkeit, rund um die Uhr Filme, Serien, Videos und Nachrichtenformate abzurufen. Damit ist für die Macher des traditionellen Fernsehprogramms auf festen Sendeplätzen ein Wettbewerb um die Gunst des Zuschauers entstanden, bei dem sie keine Chance mehr haben, diesen zu gewinnen.

Mehr Geräte, mehr Inhaltsauswahl

Heute gibt es in vielen Haushalten – neben dem Fernsehapparat – Laptops, PCs, Spielekonsolen und Smartphones; also jede Menge Empfangsgeräte, die Bewegtbildern mit Ton aus den nahezu unendlichen Weiten des Internets wiedergeben können. Für jüngere Menschen mutiert „Fernsehen” immer mehr zu einem Begriff, der mit einem Empfangsgerät und festgelegten Ausstrahlungsterminen wenig bis gar nichts zu tun hat. Aber auch die Medienkonsumenten jenseits der Altersdemarkationslinie 29 verabschieden sich immer häufiger vom Kabelfernsehen und nutzen ihre TV-Geräte als riesiges Display für Inhalte, die sie aus dem Internet herunterladen oder streamen.

11236981 © Sergey Nivens - Fotolia.comDas sich verändernde Mediennutzungsverhalten zeigt sich nicht zuletzt in den Absatzzahlen für Bildschirme. Laut einer Studie der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) liegt der Anteil traditioneller Fernsehapparate 2014 nur noch bei 17 Prozent, Tendenz weiter fallend. Noch vor drei Jahren hatte deren Anteil am Bildschirmmarkt 27 Prozent ausgemacht. Zwar betrachten die meisten Verbraucher ein Fernsehgerät laut GfK weiterhin als unverzichtbar, nutzen dieses aber nicht mehr nur zum Anschauen von „Free” und Pay-TV-Formaten oder DVDs und Blu-ray: Auf den Fiat-Panels läuft immer häufiger IP-TV, vornehmlich in Form von VoD (Video on Demand) und Videostreams, meist in HD-Qualität und in ein paar Jahren dann vermutlich standardmäßig in 4-K-Auflösung.

Mit dem Angebot hoch auflösender Inhalte aus dem Internet einher geht der Kauftrend zu größeren Bildschirmen. Bereits heute sind schätzungsweise 6 von 10 in Deutschland verkauften TV-Geräten größer als 40 Zoll. Die Anbieter richten sich darauf ein, dass der Absatz von Geräten mit Bildschirmdiagonalen über 49 Zoll besonders stark anziehen wird, und sie arbeiten intensiv an deren Tauglichkeit als „Internetempfänger” dienen zu können. Das große Thema heißt Konvergenz. An der hapert es noch ein wenig, aber wahrscheinlich nicht mehr lange: „Die in modernen Fernsehern verbaute Hard- und Software wird immer leistungsstärker. Prozessoren und Speicher erreichen heute zwar noch kein Smartphone-Niveau, kommen diesem aber immer näher”, berichtet Dr. Stefan Arbanowski vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin.

Streamen statt zappen

Die steigende Verfügbarkeit von Bewegtbildinhalten begünstigt die zeitliche und inhaltliche Unabhängigkeit und Abkehr der Konsumenten vom klassischen Programmfernsehen. „Gleichzeitig ermöglichen immer leistungsfähigere Netzinfrastrukturen eine problemlose Nutzung von Streaming”, heißt es beim Branchenverband BITKOM. Laut dessen Erkenntnis „… konnten zu Beginn des Jahres 2014 über 90 Prozent der deutschen Haushalte auf Bandbreiten von über sechs MBit/s zugreifen. Darüber hinaus steigt mit dem fortschreitenden LTE-Ausbau die Geschwindigkeit mobiler Netze deutlich. Die hohe Verbreitung von Flatrate-Tarifen, insbesondere im stationären Bereich, stellt dabei eine bezahlbare Nutzung von Breitband in Deutschland sicher”, konstatiert eine aktuelle Verbandsstudie zur Zukunft der Unterhaltungselektronik.

BITKOM-CE Studie 2014 - Connected EntertainmentDiese optimistische Einschätzung teilen längst nicht alle Experten. Bisher ist die Verfügbarkeit von Breitband-Verbindungen hier zulande keineswegs flächendeckend, und der Netzausbau läuft, selbst Aussagen von Lobbyisten der großen Telko-Anbieter zufolge, recht schleppend. Anlass zu Skepsis geben auch die anhaltenden Debatten über „Netzneutralität” und „Zwei-Klassen-Internet” sowie der halböffentliche Streit zwischen Politik, der Telekom und den anderen Netzinfrastruktur-Anbietern um den weiteren Ausbau und dessen Kosten.

Andererseits können die technischen Voraussetzungen gar nicht so übel sein, wie sie von den Medien schlechtgeredet werden, denn die Nutzung von Videostreaming-Angeboten steigt statistisch gesehen rasant an – und das quer über alle Abspielgeräte. Serien laufen bisher zwar meist noch auf PCs und Notebooks, doch auch hier holt das „Smart TV” offenbar schnell auf. Laut Untersuchungen von Deloitte und GfK im Auftrag des BITKOM verwenden bereits 43 Prozent aller Videostream-Nutzer zum Abspielen auch ihr Fernsehgerät. „Diese Quote wird in dem Maße zunehmen, indem die Fernsehgeräte weiter an das Internet angeschlossen und On-Demand-Portale für Serien und Spielfilme von den Verbrauchern angenommen werden”, so die Prognose.

Weitere Ergebnisse der Verbandsstudie: „Drei von vier deutschen Internetnutzern schauen bereits per Videostreaming. Zudem werden 2014 fast 50 Millionen internetfähige Screens verkauft. Smartphones, Tablets, Laptops und Connected TVs verändern das Konsumentenverhalten massiv. Immer mehr Inhalte sind auf noch mehr Endgeräten jederzeit verfügbar. Der hohe Anstieg von digitalem Bewegtbild live und on Demand in Verbindung mit Multiscreen-Nutzung zeigt, in welchem Wandel sich die Branche befindet.” Die Bedeutung für die ITK-Branche, aber auch für die Netzbetreiber, Publisher und Vermarkter von Bewegtbildinhalten will der BITKOM dann Ende Januar 2015 auf dem „New TV Summit” diskutieren.

TV wird transparent

Würden neuere Wettbewerber wie Amazon, die Telekom, Vodafone oder Netflix nicht im „alten” Fernsehen für ihre IP-TV-Angebote trommeln, ginge es den öffentlich rechtlichen und privaten Sendern finanziell vermutlich um einiges schlechter. Denn im selben Maß wie die Zuschauerzahlen zurückgehen, sinken auch die Werbeeinnahmen. Die Werbebudgets wandern in immer größeren werdenden Teilen zu den IP-TV-Anbietern oder direkt zu den Online-Videokanälen – nicht zuletzt, weil die Analysen des Zuschauer-Verhaltens im Internet deutlich mehr Aussagekraft haben, als die seit Jahrzehnten von der GfK ermittelten Einschaltquoten und die daraus hochgerechnete Reichweite der Werbung.

62099545 © berc - Fotolia.com Ganz bedeutungslos ist die Quote als „Währung” der Fernsehmacher zwar auch in Zeiten wachsender Digitalisierung und Vernetzung nicht, aber IP-TV-Anbieter haben nun einmal den für die Werbewirtschaft so wichtigen Rückkanal, der bei der klassischen Quotenmessung fehlt. Sie können – über ihren proprietären Receiver oder direkt online auf ihrer Plattform – jede Auswahl und jedes Wegzappen/Wegklicken dokumentieren und die Verweildauer je des einzelnen Zuschauers bei bestimmten Inhalten messen. Aus dieser Sorte „Big Data” ergeben sich Profile, die dann (anonymisiert) die Vorlieben und Abneigungen der verschiedenen Zielgruppen transparent machen. Nimmt man dann noch Analysen des Surf/Suchverhaltens, Bewertungen und Kommentare in sozialen Medien dazu, wird der Zuschauer/Konsument nahezu gläsern. Experten gehen davon aus, dass künftig alles, was in der Online-Werbung bereits etabliert ist („Das könnte Sie auch interessieren…”), schon bald auch auf dem Fernsehapparat funktionieren wird.

Zwar versuchen die traditionellen Sender ihre Bedeutung im Mediamix mit Apps, Mediatheken, Live-Streams, Webseiten zu ihren Serien/Programmen, Mitmach-TV und Präsenz in sozialen Netzwerken hoch zu halten, eine zukunftssichere Strategie für ein rentables Cross-Media-Geschäft ist bisher jedoch weder bei den GEZ-finanzierten noch bei den privaten Sendern zu erkennen.

Abomodell macht Schule

Unter dem Druck, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, stehen auch die Kabel- und Pay-TV-Anbieter. Selbst ältere Zielgruppen (siehe Grafik „Nutzung von Videostreaming nach Altersgruppen”) sind immer häufiger transmedial und transdigital unterw 69938046 © sommai - Fotolia.com egs, wollen Inhalte nach ihrem Geschmack jederzeit konsumieren können und sind zunehmend bereit, für ihre individuelle Unterhaltung bares Geld zu zahlen. Laut GfK zahlt bereits heute jeder sechste Deutsche für Abonnements bei Video-on-Demand (VoD) und/oder Streaming diensten.

Als derzeitiger Platzhirsch in Sachen VoD gilt Maxdome. Die Online-Videothek, die zum Pro7/Sat1-Konzern gehört, hält mit ihren Serien und Filmen eigenen Angaben zufolge 35 Prozent des VoD-Marktes und verbucht rasanten Zuwachs bei den Abonnentenzahlen. Letztlich jedoch ist es unerheblich, wie der aktuelle Marktanteil bei Maxdome und Wettbewerbern wie Watchever (Vivendi), Videoload (Telekom) oder iTunes (Apple) derzeit liegt. Denn auch dieses Segment ist in Bewegung: Einige VoD-Anbieter und Streaming-Anbieter beschränken sich nicht mehr auf die Verbreitung von Filmen und Serien, sondern produzieren sie gleich selber. Eines der bekanntesten Beispiele ist Netflix, deren in-House produzierte Serie „House of Cards” weltweit erfolgreich ist und mittlerweile auch von regulären Programm-Fernsehsendern ausgestrahlt wird.

Neue Streaming-Dienste

Magine TV ist eine schwedische Streaming-Plattform für internationale Fernsehprogramme, darunter auch die Inhalte von knapp 70 deutschen Sendern, inkl. der öffentlich rechtlichen und privaten. Die meisten der gestreamten Sendungen können Interessenten – kostenlos und legal – auf Android- und iOS-Geräten, im PC Browser oder ihrem Smart TV ansehen, für einige Spartenprogramme und -Pakete (z.B. Kids) ist eine Abogebühr von 4,99 Euro fällig. Da Magine TV eine reine Cloud-Lösung ist, ist für den Empfang auf dem heimischen Fernseher keine spezielle Set-Top Box nötig.

Amazon hat seinen VoD-Dienst Lovefilm umgebaut und bietet mit „Prime Instant Video” nun einen reinen Streamingdienst. Wer für 49 Euro pro Jahr (also rund 4 Euro pro Monat) unbegrenzt Filme und Serien auf seinem Fernseher anschauen möchte, kann dafür nun auch eine Set-Top Box namens Amazon Fire-TV an seinen DSL-Router anschließen.

Netflix ist voreinigen Wochen mit einem breiten Angebot an erfolgreichen Filmen und Serien an den deutschen Markt gegangen. Die Monatsgebühren richten sich danach, auf wie vielen Endgeräten der Abonnent die Netflix-Inhalte streamen möchte und in welcher Auflösung. Wer alle Serien und Filme auf vier Geräten (z.B. Smartphone, Notebook, PC und TV-Gerät) in HD-und 4-K-Auflösung schauen möchte, zahlt dafür 11,99 Euro pro Monat.

 


Quelle: IM Talk 15.2014